Menschen funktionieren in Zyklen.
In meinen 1:1 Coachings haben KlientInnen die letzten Wochen vermehrt über ihre Wahrnehmung gesprochen, dass ihre Leistungsfähigkeit gesunken sei. Sie sagten, dass sie vor einem "neuen Ich" stehen würden, denn das würden sie gar nicht von sich kennen. Und dass sie dieses neue Ich nicht mögen würden, denn deren "altes Ich" war viel produktiver und konnte vermeintlich viel mehr leisten.
Grund genug für mich, dieses Thema einmal hier aufzugreifen.
Wir und der Leistungsdruck.
In der heutigen Zeit sind wir geprägt von einer Leistungsgesellschaft, die uns weiß machen will, dass es nur auf Karriere und Leistung ankommt. Höher, schneller, weiter ist das Motto. Dieses Leistungs-Denken ist so in unserer DNA verankert, dass viele junge Menschen sich auf dieser Basis eine Ausbildung oder ein Studium aussuchen. Was ist besonders vielversprechend für eine steile Karriere? Dabei schauen sie nicht darauf, was sie für ein Typ Mensch sind, was ihnen gut liegt oder wie sie überhaupt mit diesem Leistungsdruck umgehen.
Denn ja, es gibt Menschen, die unter Druck unfassbar gut performen. Es gibt aber auch Menschen, auf die Druck eher lähmend wirkt, wodurch eine gute Performance nicht mehr möglich ist. Das spielt aber keine Rolle, denn die eigenen Leistungsziele, bzw. häufig sind es ja die Ziele der Eltern, der Gesellschaft usw. stehen im Vordergrund.
Nun nehmen Menschen ihren Platz in der Gesellschaft ein, beginnen ein Studium oder einen Job, in dem zwangsläufig gewisse Erwartungen an die Leistung gestellt werden. Im Studium ist es vorteilhaft, wenn Prüfungen, bestenfalls mit einer guten Note, bestanden werden und im Job steht auch die Leistung der Mitarbeitenden im Fokus. Und wenn externe Gründe nicht reichen, sind es dann auch noch gerne die eigenen hohen Erwartungen an die persönliche Leistung. Denn wir haben ja gelernt, Leistung ist alles.
Verlust/ Verringerung der Leistungsfähigkeit.
Häufig ist es so, dass diese Erwartungen, zumindest eine Zeit lang, erfüllt werden können. Die Studienleistungen sind gut, die ChefInnen sind zufrieden und wir sind es demnach auch.
Das Ding ist aber, dass eventuell irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem diese Leistungen nicht mehr zu dem gewohnten Maß abgerufen werden können. Das muss nicht einmal einen Grund haben, der auf den ersten Blick sichtbar ist. Vielleicht ist es einfach nicht möglich auf die "normalen" 100 Prozent zuzugreifen, ohne dass es bewusst eine Erklärung dafür gibt.
Und dann kommen viele ins Coaching, denn sie haben sich an eine bestimmte, leistungsfähige Version des Selbst gewöhnt und stehen nun vor einer Version von sich selbst, die sie nicht kennen und nicht mögen, da sie weniger Leistung bringt.
Mindset-Shift.
Was wir gerne bei dem ganzen Leistungsdenken vergessen, ist, dass wir nun einmal keine Maschinen sind. Wir sind Menschen und damit nicht zu jeder Tageszeit gleich leistungsfähig, was im Allgemeinen von den meisten noch akzeptiert werden kann. Die meisten Menschen sind morgens/ vormittags leistungsfähiger als am Abend.
Wir sind allerdings auch nicht in allen Monaten gleich leistungsfähig. Denn die Jahreszeiten haben einen Einfluss auf unsere Energie und Leistungsfähigkeit. Im Sommer sind wir leistungsfähiger, als im Herbst/ Winter, wo uns die Sonne und das Licht fehlt. Das ist von uns oft schon schwieriger zu akzeptieren, dass es ganze Phasen geben soll, in denen wir nicht unser übliches Maß an Energie haben.
Schlimmer dann noch, wenn wir merken, dass wir vor zwei Jahren vielleicht noch leistungsfähiger waren, als wir es heute sind. Wir sind nun mal nicht wie Maschinen programmierbar und unabhängig von unserer Umwelt.
Anstatt gegen dich selbst zu arbeiten und dir noch mehr Druck zu machen oder dafür zu kritisieren, dass du nicht so leistungsfähig bist, wie gewohnt, darfst du das Bewusstsein entwickeln, dass Menschen nun einmal zyklische Wesen sind. Du hast Phasen, da bist du unglaublich motiviert und könntest Bäume ausreißen und es gibt Phasen, da hast du weniger Energie. Wenn du dir das einmal bewusst machst, kannst du das einfach für dich in deiner Jahresplanung einkalkulieren und vor allem akzeptieren, dass du nicht immer die gleiche Leistungsfähigkeit besitzt.
Es kann natürlich auch sein, dass du merkst, dass du noch vor einigen Jahren viel leistungsfähiger warst, als du es heute bist. Wir verändern uns. Ich bin mir sicher, du stimmst mir zu, dass du vor einigen Jahren noch anders warst, als du heute bist. Du hast dich weiterentwickelt und Erfahrungen gemacht, die dich zu der heutigen Version deines Selbst machen. Und wenn du heute nicht mehr die Nächte durchlernen kannst oder merkst, dass die 50 Stunden Woche auf der Arbeit, dir nicht mehr gut tut, dann ist das okay. Dann bedeutet das vielleicht, dass du dein aktuelles Leben einmal evaluieren und neu ausrichten darfst. Aber dein Wert hängt nicht von deiner Leistungsfähigkeit ab.
Deine neue Leistungsfähigkeit.
Beantworte für dich die Frage: Wie viel Prozent Energie oder Leistungsfähigkeit stehen mir aktuell zur Verfügung?
Sind es vielleicht 70% oder 55%? Lege dich auf eine bestimmte Prozentzahl fest. Diese Prozentzahl, sagen wir 70% sind nun deine neuen 100%, die du zur Verfügung hast. Das ist dein neues Maß der Dinge und wie viel Energie oder Leistungsfähigkeit jemand anderes oder "dein altes Ich" hat/ hatte ist komplett irrelevant.
Wie kannst du mit deiner aktuellen Prozentzahl, mit diesen 70%, deine alltäglichen Aufgaben erledigen? Wie darfst du dich anders organisieren, sodass du mit der Energie und Leistungsfähigkeit, die du gerade zur Verfügung hast, auskommst? Darfst du vielleicht deine Prioritäten anders setzen oder dir aktive Ruhezeiten einplanen? Gibt es vielleicht Dinge, die mit diesen 70% nicht mehr möglich sind und die du loslassen darfst? Kannst du dir Hilfe holen, sodass die Energie/ Leistungsfähigkeit, die du nicht hast, kompensiert werden kann?
Wir verändern uns immer. Es ist nicht förderlich dein "altes Ich" mit deinem "neuen Ich" zu vergleichen und dieses alte Ich zurückzuwünschen. Akzeptiere deinen Ist-Zustand wie er ist und gehe damit liebevoll, neugierig und lösungsorientiert um.
Vielleicht hast du gerade dadurch, dass du merkst, dass du nicht die gleichen Leistungen erbringen kannst, wie du es vorher gewohnt warst, die Möglichkeit, dir eine gesündere Einstellung und Lebensweise aufzubauen. Mit Ruhezeiten und Akzeptanz deiner ganz individuellen Zyklen.
Schreibe mir gerne auf Instagram, wie du entsprechend deiner eigenen Energie, Leistungsfähigkeit und Zyklen leben kannst.
Alles Liebe,
Sarah
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